Norbert Schröder
schrieb am 4. Januar 2026 um 17.33 Uhr
Lieber Helmut,
wir sprachen viel miteinander. Unser erster Kontakt entstand 1998, als im Friedhöfer Schützenhaus im Rahmen einer Kunstausstellung Deine Frau Carola mit ihren Objekten
beteiligt war. Du kamst hinzu und erzähltest, dass Du im Umfeld der Friedhöfer auf der Kommende groß wurdest. Der Zufall wollte es, dass wir um den Jahrtausendwechsel uns im Marienhospital wg. einem zeitlich parallelen Infarktes wieder trafen. Einige Tage waren wir dann anschließend auch beide in der Schüchtermann-Klinik in Bad Rothenfelde. Wir unterhielten uns dort viel. Dort erzähltest Du auch von der Zeit als Du als Flakhelfer in Rheine Hopsten Wehrdienst geleistet hast. Und dass Du im Rahmen der britischen Besatzung 1945 als Dolmetscher als in englisch erfahrener Arnoldiner tätig warst. Wir trafen uns anschließend selten, unterhielten uns dann aber immer gern.
Ein niederländischer Sender aus Hilversum, der geschichtliche Themen behandelte bat um Interview-Partner zum Thema "Deutschen Demokratie lehren". Sie kamen in das grenznahe Burgsteinfurt und berichteten über den dortigen Zwangskinobesuch, wo die Briten die Burgsteinfurter über die Verbrechen Nazi-Deutschlands informieren wollten, weil die Deutschen angeblich nichts davon erfahren hatten. Meine Erinnerungen an unsere Gespräche veranlassten mich, Dich als Interview-Partner zu empfehlen. Du erklärtest Dich sofort bereit, Dich dafür zu Verfügung zu stellen. Von den vier Burgsteinfurter Zeitzeugen bist Du nun nach Hans Jacoby und Ilse Niemeyer der Dritte, der nicht mehr von den TV-Aufnahmen berichten kann. Die vierte Interview-Partnerin, die sich den Film im Stadtmuseum Burgsteinfurt öfters ansah, ist die heute 99-jährige Elisabeth Epping, die im September 2024 ihren 98-ten Geburtstag im Museum feiern konnte. Diesen Beitrag mit Dir habe ich als Film auf Deinen Rechner installiert und auch schon oft im Stadtmuseum interessierten Besuchern gezeigt und auch oft als geschichtliche Internet-Quelle zum Wiederaufrufen notiert. Noch heute kann man Dich über Google nacherleben mit dem Suchbegriff
"andere tijden - Duitsers democratie leren". [niederländisch]
Ich bin sicher, dass ich Dich noch oft aufrufen und dann auch sehen und hören werde. Ausgerechnet meine Schwiegermutter ist auf dem Titelbild nach etwas scrollen zu sehen, über dessen Pfeiltaste der Bericht gestartet wird. Dein Gesprochenes ist mit niederländischen Untertiteln versehen. Du siehst, Du gehst uns nicht verloren.
Ca. 4 - 6 Mal im Jahr musste ich danach bis in die Pandemiezeit hinein nach Borghorst. Ich fuhr dann immer mit dem Fahrrad durch Bagno und Grottenkamp. Ab und zu traf ich Dich auf der Industriestraße und wir unterhielten uns. Manchmal saßen wir auf der Veranda. Ich kann mich auch noch an ein Kännchen Tee erinnern, das Deine Frau im Wohnzimmer servierte. Nach meinem "post mortem" reden wir weiter - Norbert Schröder